Neue Aufgaben:  

1972-1997                    

        

 

Die Generalversammlung am 19. Januar 1974 ging als Novum in die Geschichte der Groß Flöther Feuerwehr ein. Ortsbrandmeister Hermann Eggeling stellte sein Amt "wegen Überlastung" zur Verfügung und lehnte Wiederwahl ab. Auch alle anderen vorgeschlagenden Kameraden (Friedhelm Warkehr, Otto Froböse, Friedhelm Pape) zeigten aus verschiedenen Gründen kein Interesse an der ehrenamtlichen Aufgabe. Als schließlich auch der leidenschaftliche Appell des Kameraden Seggelke ("Es muss sich doch einer finden") nicht den gewünschten Erfolg erzielte, war das vorübergehende Chaos perfekt. Acht Wochen lang war die Wehr führungslos, dann sprang Hermann Eggeling während einer außer-ordentlichen Generalversammlung am 29. März 1974 doch noch einmal in die Bresche. Seine Bedingung für eine erneute Kandidatur: Ein Stellvertreter (gewählt wurde Friedhelm Pape) müsse ihm mindestens 50 Prozent der Arbeit abnehmen.

 

1978 wurde Groß Flöthe als einer der ersten Wehren in der Samtgemeinde Oderwald mit Atemschutzgeräten (PA) ausgerüstet, und am 1. März 1980 löste die Einsatzleit-zentrale (ELZ) in Wolfenbüttel die Sirenen zum ersten Mal über Funk aus. Während der Generalversammlung am 17. Januar 1981 stellte Brandmeister Hermann Eggeling erneut sein Amt zur Verfügung. Wieder fand sich allerdings wie schon sieben Jahre zuvor kein geeigneten Nachfolger. Gemeinde-brandmeister Dirk Büssemaker hatte irgendwann die zündende Idee: Er ließ die Versammlung für zehn Minuten unterbrechen und bat Eggeling zum Gespräch unter vier Augen. Was er ihm da wohl zugeflüstert hat ? Wie auch immer. Fest steht nur: Hermann Eggeling ließ sich anschließend für weitere fünf Jahre an die Spitze der Flöther Wehr wählen.


1982 feierte man das 110-jährige Bestehen mit einem großen Fest. Abgesehen von mehreren kleineren Einsätzen, rückten die Kameraden in jenen Jahren nur einmal zu einem größerem Feuer aus. Im März 1982 brannte ein Schuppen in der Klostergasse. Die Löscharbeiten gestalteten sie nach Augenzeugenberichten recht schwierig. Viele Kameraden, so wird noch heute gemunkelt, hatten extreme Mühe, sich auf den Beinen zu halten, weil sie offenbar am Abend zuvor beim Wintervergnügen zu tief ins Glas geschaut hatten.

 

Zu einem recht spektakulären Einsatz wurde die Wehr 1983 gerufen. Im Klostergut Heinigen war ein Brand ausgebrochen, in dessen Verlauf unter anderem ein Gastank Feuer fing. Als der Tank urplötzlich von einer lauten Explosion aus der Verankerung gerissen wurde, stockte den Löschtrupps vor Ort der Atem. Wie durch ein Wunder kamen die meisten Kameraden mit dem Schrecken davon.  

 

1987 war das Jahr der Weichenstellungen für die Zukunft. Gemeinsam mit den Feuerwehren aus Cramme und Klein Flöthe rief man am 18. Januar als Einrichtung zur Nachwuchsförderung die Jugendfeuerwehr Oderwald - West mit zunächst 22 Mitgliedern ins Leben. Außerdem warf auch schon die geplante Fertigstellung  der Autobahn 395 zwischen Braunschweig und Bad Harzburg ihre Schatten voraus: Groß Flöthe wurde zur Stützpunktwehr umstrukturiert und von der Samtgemeinde mit Blick auf die zu erwartenden schweren Verkehrsunfälle im Februar 1987 mit einem neuen Gerätewagen (GW-Z) ausgestattet.   

 

Gemeinsam mit Klein Flöthe ist die Wehr heute für zugewiesene Autobahn-abschnitte verantwortlich - eine Aufgabe, die neue Ansprüche an Ausbildung, Verantwortungsbewußtsein und Leistungsbereitschaft jedes einzelnen Kameraden stellte und das Bild der Wehr in den vergangenden Jahren entscheidend geprägt hat. Passender Kommentar des Flöther Bürgermeisters Gerhard Reinecke ( Festgehallten im Protokoll der Jahresversammlung am 13. Januar 1996 ) : "Früher wurden Brände gelöscht und um ein Strahlrohr zu halten, bedurfte es keiner speziellen Ausbildung. Heute sind die Aufgaben weitaus umfangreicher geworden und erfordern Feuerwehrleute, die ihr ganzes Wissen und Können unter Beweis stellen müssen. "      

 

Für zwei Fahrzeuge reichte der Platz im Groß Flöther Gerätehaus nicht aus. Mit den notwendigen Umbaumaßnahmen hatte man daher bereits Anfang 1987 begonnen. Einige Kameraden griffen zwar selbst zum Hammer, Säge und Pinsel, aber die Beteiligung riß den neugewählten Brandmeister Udo Remmert (Hermann Eggeling hatte diesmal erfolgreich auf eine weitere Amtsperiode verzichtet) nicht gerade zu Begeisterungsstürmen hin. Schriftführer Andreas Grunwald im Protokoll zur Generalversammlung am 9. Januar 1988: " Der Ortsbrandmeister bemängelte, dass die Beteiligung der Wehr am Arbeitseinsatz etwas üppiger hätte ausfallen können. " Dennoch konnte der Neubau 1989 eingeweiht werden.  

 

Der neue GW-Z musste sich Ende der achtsiger Jahre leider oft im Ernstfall bewähren. So etwa 1989 bei zwei Autounfällen in Klein Flöthe, zwischen Cramme und Leinde, oder auch 1990 bei einem Unfall zwischen Cramme und Groß Flöthe. Ebenfalls 1990 entstand die Idee, eine Altersgruppe ( Ü50 ) aus der Taufe zu heben. " Es geht darum, die älteren Kameraden mit den Gerätschaften vertraut zu machen ", vermerkte Andreas Grunwald im Protokoll zur Generalversammlung am 6. Januar 1990. Der Vorschlag verlief allerdings im Sande. Offizielle Begründung: Terminschwierigkeiten.

 

Sirenenalarm riss die Kameraden in der Nacht des ersten Weihnachtsfeiertages 1991 aus dem Schlaf. " Dachstuhlbrand in Cramme ", meldete die ELZ über Funk. Schon am Ortsausgang war das meterhohe Flammenmeer über Crammer  Einfamilienhaus am Horizont zu erkennen. In dieser Nacht wurden den Groß Flöther Kameraden wieder einmal die Gefahren ihres freiwilligen Dienstes hautnah bewusst. Bei Temperaturen weit unter null Grad kämpften die mit Atemschutzgeräten  ausgestatteten Löschtrupps stundenlang gegen das gewaltige Feuer an.   

 

Das 120-jährige Bestehen 1992 wurde nur im kleinen Kreis gefeiert. Das Geburtstagsgeschenk der Samtgemeinde konnte sich aber dennoch mehr als sehen lassen: Ein neues Löschfahrzeug mit Wassertank, ein sogenanntes LF 8-6. Das alte Fahrzeug ging in den wohlverdienten Ruhestand.   

 

Bei den Samtgemeindewettkämpfen in Kalme führte bis Mitte der neunziger Jahre kein Weg an der " Macht von der Fuhse " aus Groß Flöthe vorbei. Allein zwischen 1990 und 1994 sicherten sich die Wettkampfgruppen dreimal den ersten und einmal den zweiten Platz. An die nicht gerade ruhmreichen Plazierungen bei den Kreiswettkämpfen soll an dieser Stelle nicht erinnert werden...

 

1994 war das Jahr der Arbeit. Im Apri rückte die Wehr zum Hochwasser der Oker nach Dorstadt aus, im Mai setzte ein Kurzschluß den Keller im Haus des Ehepaares Hahn in Groß Flöthe in Brand, im Juli kippte in Börßum ein mit Getreide beladender Lastwagen um, im Oktober brach wie schon elf Jahre zuvor ein Feuer im Klostergut Heinigen aus. Doch damit nicht genug: Ein Großaufgebot tapferer und schwindelfreier Kameraden war nötig, um im Sommer 1994 eine offenbar suizidgefährdete Katze (!) vor dem sicheren Sprung in den Tod zu bewahren. Die Katze war kurz davor, sich aus einer meterhohen Baumkrone auf die Oderwaldstraße zu stürzen. (Die beteiligten Helfer warten übrigens noch heute auf die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes) "Ein älterer Kamerad, der dabei zusah, schüttelte mit dem Kopf und fragte den Brandmeister, ob der denn keine Pistole dabei hätte", hielt Schriftführer Andreas Grunwald fest.

 

Im Juni 1995 wurde nach mehrjähriger Bauzeit der Flöther Abschnitt der Autobahn 395 für den Verkehr freigegeben. Der 1993 zum Nachfolger von Udo Remmert gewählte neue Brandmeister Jörg Haase: " Viele Kameraden hatten die Hose voll. Selbst, wenn wir die Sirenen aus Flachstöckheim hörten, liefen wir zum Gerätehaus. " Sechs - zum Teil schwere - Autobahnunfälle machten den Feuerwehrleuten 1995 mehr als deutlich, was noch alles auf sie zukommen könnte. Die schlimmsten Befürchtungen haben sich zum Glück nicht bestätigt: Die Zahl der schweren Autobahnunfälle ist nicht dramatisch gestiegen, die Lage hat sich sogar beruhigt.  

 

Ebenfalls 1995 veranstaltete die Wehr im Spätsommer ein " Country - Fest " am Gerätehaus. Der Erfolg konnte sich sehen lassen: Einige hundert Groß Flöther feierten bis in die frühen Morgenstunden. " Feiern " ist das Stichwort. Die Kameraden der Groß Flöther Wehr leisten nämlich nicht nur seit 125 Jahren verantwortungsvolle Arbeit im Brand- und Katastrophenschutz, sondern setzen sich auch auf andere Art uneigennützig und freiwillig für die Dorfgemeinschaft ein. So organisiert man zum Beispiel in jedem Jahr das Osterfeuer an der Steinkuhle, läßt sich an Tagen der Offenen Tür über die Schulter blicken oder unterstützt die Lampionumzüge des Sportvereins

 

 

 

 

    

 

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