Rauchwolken über Groß Flöthe: 1922-1972        

 

 

Der Krieg ging zu Ende, das Kaiserreich verviel, die Weimarer Republik entstand. Das Fest zum 50-jährigen Bestehen 1922 wurde in der Ahrenschen Feldscheune gefeiert. Die noch lebenden Gründungsmitglieder fuhren in Kutschen dem Zug der insgesamt 22 auswärtigen Wehren voran. Bei der Abrechnung soll der Kassenwart übrigens ganz schön ins Schwitzen gekommen sein: Man blieb bei Einnahmen von 12.970 Mark und Ausgaben von 18.114 Mark auf einem Fehlbetrag von immerhin 5.144 Mark sitzen. Die aufkommende Inflation verhinderte aber glücklicherweise den finanziellen Kollaps.  

 

Von September 1923 bis September 1924 mussten die freiwilligen Helfer insgesamt fünf mal ihre Einsatzbereitschaft unter Beweis stellen. Hintereinander wurden sie zu Bränden nach Barum, Ohlendorf, erneut nach Barum, Cramme und Lobmachtersen gerufen. In der Nacht vom 19. auf den 20. März 1928 brannte dann in Groß Flöthe der Dachstuhl der Gaststätte Bosse. Dramatische Szenen spielten sich ab, denn unten im Gastraum wurde noch kräftig gefeiert. Über Tote und Verletzte ist in den Aufzeichnungen nichts zu finden, so dass wohl alle Gäste unversehrt gerettet werden konnten. Trotzdem ging der Brand bei Bosse als " schwarzer Tag " in die Geschichte der Groß Flöther Wehr ein. Peinlicher Grund: Bevor der erste Wasserstrahl aus dem Teich die Gaststätte erreicht hatte, waren kostbare 45 Minuten vergangen.  

 

Ein wichtiger Schritt in Richtung Motorisierung wurde während der General-versammlung am 3. Januar 1931 getan. Man beschloss, die Spritze mit einer kurzen Deichsel zu versehen, um sie im Ernstfall an den Lastwagen des Kameraden Dette anhängen zu können. Die bis dahin zum Spritzentransport genutzten Pferde hatten ausgedient und die Wehr war von nun an schneller und mobiler als jemals zuvor. Wie schnell, das zeigte sich bei zwei Bränden in Klein Flöthe 1932. Bereirs 25 Minuten nach Alarmierung konnte an der Brandstelle "Wasser Marsch" gegeben werden. Im Mai des Kriegsjahres 1940 legte man den nächsten Schritt in Richtung  Motorisierung zurück: Die alte Handdruckspritze wurde durch eine DKW-Magirus Motorspritze (Leistung: 400 Liter/ Minute) ersetzt. Allerdings kam diese Spritze nie bei einem Feuer zum Einsatz.  

 

 

 

Das Fest zum 75-jährigen Bestehen im Jahr 1947 wurde wegen des Besatzungs-rechts der Alliierten nicht gefeiert. Umso größer fielen deshalb die Aktivitäten zum 80-jährigen Bestehen am 4. und 5. August 1952 aus. Anläßlich des Jubiläums richtete die Wehr zudem die Kreisausscheidungswettkämpfe aus. Bereits am frühen Sonntagmorgen mussten die Kameraden auf der Matte stehen, denn um sechs Uhr rollten die ersten Gruppen zum Wettkampf auf dem Sportplatz an. Um neun Uhr begann eine Gedenkfeier am Ehrendenkmal, begleitet von Pastor Ulbrich und dem örtlichen Posaunenchor. Der Ferstumzug am Nachmittag führte zunächst zum neugebauten Gerätehaus. Bürgermeister H. Brener übergab das schmucke Gebäude feierlich seiner Bestimmung.  

 

Zwischen 1952 und 1962 rückte die Wehr nur ein einziges Mal zu einem Brand nach Gielde aus. Dabei kam auch die 1956 neu angeschaffte VW-Metz Pumpe TS 8-8 (Leistung: 800 Liter/Minute) zum Einsatz, die übrigens heute noch einen Ehrenplatz im Gerätehaus hat. Am darauf-folgenden Fest zum 90-jährigen Bestehen 1962 beteiligten sich insgesamt 35 Feuerwehren mit 470 Kameraden.

 

Einweihung des Spritzenhauses 1952

 

 

Ein Blitzschlag verursachte am 24.Juni 1966 ein Feuer in der Scheune des Landwirts Pape in Groß Flöthe. Das Gerätehaus liegt in unmittelbarer Nähe, die Wehr war bereits nach wenigen Minuten vor Ort. So retteten die Helfer immerhin eine Hälfte der Scheune und verhinderten auch ein übergreifen der flammen auf das angrenzende Arbeiterhaus des Bartelschen Hofes.  

 

Im September 1968 stellte die Gemeinde der Wehr ein erstes eigenes Löschgruppenfahrzeug zur Verfügung, ein sogenanntes LF 8. Fast genau ein Jahr hatten die Kameraden Zeit, um sich an das neue Fahrzeug zu gewöhnen, bevor es bei seiner "Feuertaufe" auf eine harte Bewährungsprobe gestellt wurde.

 

Es war der 13. September 1969. Ein Sonnabend, so Eberhard Ahrens in der Chronik zum Feuerwehrfest 1972, an dem "herrliches Altweibersommerwetter mit Windstille herrschte". Um 15 Uhr werden die Kameraden alarmiert. Grund: Die Scheune des landwirts Alfred Lindenberg an der Oderwaldstraße steht in hellen Flammen, dichte Rauchwolken stehen über dem Dorf. Bereits acht Minuten nach Alarmierung sind die Löschtrupps am Einsatzort mit Wasser aus den nächst-gelegenden Hydranten versorgt. Vom Teich werden zwei B-Schlauchleitungen gelegt, zwei Tanklöschfahrzeuge sind im Einsatz, insgesamt werden die Flammen mit fünf B-Strahlrohren und zehn C-Strahlrohren bekämpft. Trotzdem gelingt es nicht, das Schlimmste zu verhindern: Stall und Scheune brennen bis auf die Grundmauern nieder; 150 Morgen Stroh, Heu und 600 Zentner Getreide werden vernichtet. Eine schleunigst aufgebaute Wassermauer bietet aber zumindest dem Wohnhaus der Lindenbergs und dem angrenzenden Stallgebäude der Haases vor der bedrohlichen nahekommenden Feuerwalze. Gegen 21 Uhr ist der Brand gelöscht, aber die Nachtwache muss immer wieder aus den Strohresten aufzüngelnde Flammen niederhalten. Bei den Aufräumarbeiten leisten Feuerwehr und viele andere Helfer aktive Nachbarschaftshilfe. Der Löffelbagger der Kameraden Otto Froböse lädt auf zehn Trecker mit Kippern bringen die noch immer glühenden und qualmemden Strohballen und Trümmer zur Steinkuhle. Als Brandursache wurde später zweifelsfrei Selbstent-zündung des Strohs nachgewiesen.

 

1972 feierte die Wehr ihr 100-jähriges Jubiläum mit einem großen Fest in der Ahrenschen Feldscheune. " Die Männer der Freiwilligen Feuerwehr Groß Flöthe, alte und junge, die als erste Wehr im Landkreis Goslar das 100-jährige Bestehen feiern kann, haben über drei Generationen hinweg Maßstäbe für eine geschichtliche Entwicklung gesetzt, die mit tiefen Zäsuren für das darin einge-bettete Feuerwehrwesen verbunden gewesen ist ", lobte Oberkreisdirektor Müller in seiner Festansprache. 

  

 

Brand bei Lindenberg 1969
Brand bei Lindenberg 1969

 

 

Erstes Löschfahrzeug 1968

 

 

 

 

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